Geschichte

Die Burgergemeinde einst

Als das Geschlecht der Zähringer 1218 ausstarb, erbten die Grafen von Kiburg die Stadt Thun. Am 12. März 1264 erteilte die Gräfin Elisabeth von Kiburg der Stadt schriftlich die Stadtrechte in einer so genannten Handfeste. 

1384 verkauften die Kiburger die Stadt Thun an Bern. Die Burgerschaft stellte den vollberechtigten Teil der städtischen Bevölkerung dar und genoss Freiheiten, die das Stadtrecht garantierte. Ursprünglich war das Burgerrecht persönlich, seit dem 16. Jahrhundert ist es erblich. 

Regiert und verwaltet wurde die Stadt von den aus der Thuner Burgerschaft gewählten "Rät und Burger" (kleiner und grosser Stadtrat) und einem von Bern eingesetzten Schultheissen.

Die französische Revolution brachte 1798 die Volkssouverenität und die Rechtsgleichheit für alle Ortsbürger. Erst die Kantonsverfassung von 1831 und das Gemeindegesetz von 1833 trennte die Burger- und Einwohnergemeinden. Die politischen Angelegenheiten wurden den Einwohnergemeinden (der Gesamtheit der Einwohner, inklusive der Burger) übertragen, während die Burgergemeinden für die Verwaltung ihrer Gemeinde- und Armengüter zur Unterstützung ihrer Bedürftigen zuständig waren. Problematisch war die Aufteilung des Gemeindevermögens, das bisher ausschliesslich bei den Burgern lag. 

Die Regelung kam in Thun erst nach 30-jährigen Verhandlungen und der Einführung eines neuen Gemeindegesetzes mit dem Ausscheidungsvertrag von 1862 zustande. Dabei gingen die Güter mit allgemein öffentlichem Zweck in den Besitz der Einwohnergemeinde über, und der Burgergemeinde verblieben zur Erfüllung ihrer Aufgaben die so genannten Nutzungsgüter: Das Spitalgut, das Waisengut, das Spendgut und das allgemeine Burgergut.

 

 

Thuner Zünfte

In Thun gab es fünf Zünfte: Die Gesellschaft zu Oberherren (nichthandwerkliche Berufe), zu Metzgern, zu Pfistern (Bäcker), zu Schmieden und zu Schumachern. Sie schlossen sich bereits im 14. Jahrhundert zusammen, um sich innerhalb ihres Metiers zu organisieren, um Ausbildung, Produktion und Verkauf und das gesellschaftliche Zusammenleben zu regeln.

Bis ins 18. Jahrhundert war der Beruf für die Aufnahme in eine Gesellschaft massgebend. Im Laufe der Zeit wurden aus den Berufsorganisationen erbliche Familiengesellschaften, wo nicht mehr das Handwerk, sondern die Familie für die Zugehörigkeit zu einer Gesellschaft bestimmend war.

In den Schweizer Städten herrschte ein ausgesprochener Konkurrenzkampf zwischen Zünften und Räten. Nicht so in Thun. Die einstige Regentin von Thun, Gräfin von Kyburg, hatte das Walten der Verbände mit Auflagen massiv eingeschränkt.

Nachdem die Zünfte ihre wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Bedeutung verlorten hatten, lösten sie sich in den Jahren 1865/66 auf. Die Zunfthäuser wurden verkauft und mit dem Erlös sowie dem vorhandenen Vermögen die Spar + Leihkasse Thun gegründet.

Am Rathausplatz stehen heute noch zwei Zunfthäuser: Das Zunfthaus zu Metzgern und das Zunfthaus zu Pfistern (Hotel Krone). In der Oberen Hauptgasse findet man zudem das Zunfthaus zu Schmieden.

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